Neue Mikrobatterie ist im Nu aufgeladen

Batterien sollen kleiner und leistungsfähiger werden (Foto: saulhm/pixabay.com)
Batterien sollen kleiner und leistungsfähiger werden
(Foto: saulhm/pixabay.com)

Amerikanische Wissenschaftler haben eine neue Mikrobatterie entwickelt. Damit sollen Elektronikgeräte wie Handys zukünftig im Nu aufgeladen sein.

Moderne Handys und Smartphones sind fortschrittlicher denn je, nur die Batterien bleiben bis heute hinter dem technischen Fortschritt zurück. Wissenschaftler der Universität Illinois hoffen, dass sie das nun mit ihrer Entwicklung der bisher stärksten Mikrobatterie verändern können. Sie soll bis zu tausendmal stärker sein als gegenwärtige Lithium-Akkus und den Weg öffnen für eine Technikwelt, in der Handys innerhalb einer Sekunde aufgeladen sind.

Neue Perspektive für Akkus

»Das bietet eine ganz neue Sicht auf Batterien. Sie können viel mehr Kraft haben als jemals vermutet. Im vergangenen Jahrzehnt wurden sehr viele Elektronikgeräte immer kleiner. Computerchips wurden immer kleiner. Aber die Akkus hinkten immer weit hinterher. Die neue Mikrotechnologie kann das jetzt verändern. Nun ist die Energiequelle genauso Hightech wie der Rest«, sagt Forschungsleiter William King.

Vermögen versus Energie

Mit den heutigen Batterien müssen Nutzer immer wählen zwischen Kraft und Energie. Für Anwendungen, die viel Kraft benötigen wie das Aussenden von Radiosignalen über große Entfernungen, können Kondensatoren sehr schnell Energie freisetzen, aber nur einen kleinen Teil speichern. Für Anwendungen, die sehr viel Energie benötigen wie den ganzen Tag Radio hören, können Brennstoffzellen und Batterien viel Energie speichern, aber nur langsam freisetzen und aufladen. Doch für moderne und interessante Anwendungen und Einsatzgebiete braucht man auf jeden Fall beides.

Dreidimensionale Mikrostruktur

Die hohen Leistungen verdanken die neuen Akkus einer internen dreidimensionalen Mikrostruktur. Genau wie alle anderen Batterien enthalten auch die neuen Batterien zwei Basiskomponenten: eine Anode (Minus-Pol) und eine Kathode (Plus-Pol). Weiter wurde auf einen schnell aufladbaren Kathoden-Entwurf von Professor Paul Braun gebaut und so konnten die Wissenschaftler eine übereinstimmende Anode bauen. Die Mikrobatterien sollen bis zu tausendmal schneller laden können als die heutige Technologie. Geräte könnten 30-mal dünner sein und in der Theorie könnte ein hauchdünnes Telefon dann in weniger als einer Sekunde aufgeladen sein.

Einfluss auf verschiedene Technologien

Natürlich wird eine solche Erfindung nicht nur Folgen haben für die mobile Telefonie. Auch medizinische Geräte wie Implantate, Laser, Sensoren und eine Vielzahl anderer Anwendungen können große Fortschritte erzielen mit einer derartigen Energiequelle. »Jedes elektronische Gerät ist beschränkt durch die Größe seiner Batterie – aber nur bis heute«, finden die Wissenschaftler.

Quelle: James H. Pikul, Hui Gang Zhang, Jiung Cho, Paul V. Braun & William P. King: High-power lithium ion microbatteries from interdigitated three-dimensional bicontinuous nanoporous electrodes, Nature Communications 4, Article number: 1732, April 2013, doi:10.1038/ncomms2747

Mehr Akkuleistung mit Hilfe von Viren

Normalerweise befällt der Tabakmosaikvirus Pflanzen wie Tabak, Paprika und Tomaten und richtet dort große Schäden an. Er ist sehr leicht übertragbar und äußerst hitzestabil. Weltweit ist er einer der verbreitetsten Viren. Amerikanische Wissenschaftler haben nun eine Verwendung für den kleinen Schädling gefunden. Er soll beim Bau kleiner und leistungsfähiger Energiespeicher helfen.

Forscher unter der Leitung von Reza Ghodssi haben an der Universität College Park (Maryland) einen Lithium-Ionen-Akku mit höherer Leistung entwickelt. Dabei setzten sie den Tabakmosaikvirus (TMV) als Teil der Elektrode ein.
Die Forscher veranlassten die Viren dazu, sich senkrecht in einem bestimmten Muster auf einer Metallplatte auszurichten. Die Viren erhielten dann einen Nickel-Überzug. Die Metallplatte mit den umgestellten Viren dient dann als Elektrode.

Die Viren bewirken eine Oberflächenvergrößerung der Elektrode. Dies erhöht die Fähigkeit zur Energiespeicherung. Ein Akku dieser Bauweise soll zehnmal so viel Energie speichern können wie ein herkömmlicher Akku. Ebenso verfügt er über bessere Lade- und Entladezeiten.

Ein wesentlicher Fortschritt soll auch die Größe der neuen Akkus sein. Bereiche von weniger als einem Millimeter sind möglich. Die Reduzierung der Abmessungen macht neue Anwendungen möglich, die bisher nicht denkbar waren. Beispielsweise Mikrosensoren, die in großer Anzahl zur Kontrolle von Umweltfaktoren verteilt werden könnten.
Trotz Vireneinsatz ist der Akku ungefährlich, versichern die Wissenschaftler. Durch die Veränderung wird der Virus inaktiv.

Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology arbeiten an einem Akku, der teilweise mit Viren bestückt ist. Angela Belcher und ihr Team haben den Virus M13 verändert und ihn für die Konstruktion der Anode eines Nanoakkus genutzt. Der Virus wurde so genetisch modifiziert, dass seine Eiweißhülle Kobaltoxid-Moleküle anzieht. Der dadurch entstandene Nanodraht bildet die Anode des Akkus.