Energiesparlampen sollen frei von Quecksilber werden

Ganz ohne Quecksilber: die Energiesparlampe aus dem KIT, hier mit Erfinder Dr. Rainer Kling. Foto: Martin Lober, KIT
Ganz ohne Quecksilber: die Energiesparlampe aus dem KIT, hier mit Erfinder Dr. Rainer Kling.
Foto: Martin Lober, KIT

Energiesparlampen sollen zukünftig noch umweltfreundlicher werden. Das bislang noch benötigte Quecksilber soll aus den modernen Leuchtmitteln verschwinden.

Seit September 2012 dürfen herkömmliche Glühbirnen nicht mehr verkauft werden. Damit werden sie zunehmend durch Energiesparlampen ersetzt. Zwar gibt es noch LEDs und Halogenlampen als Alternative, doch die einen sind den meisten Verbrauchern zu teuer, die anderen verbrauchen viel Strom und haben

keine lange Lebensdauer. Bleibt daher nur die Energiesparlampe. Leider sind die Energiesparlampen nicht so umweltfreundlich, wie es den Konsumenten gerne vermittelt wird.

Entsorgung wegen Quecksilber schwierig

Energiesparlampen enthalten immer noch Quecksilber, wenn auch wenig. Dennoch wird beim Zerbrechen der Lampen geraten, den Raum gut zu lüften und ihn umgehend zu verlassen sowie die Scherben nicht mit dem Staubsauger zu entfernen. Darüber hinaus gab es schon eher Studien, die noch weitergehende Gefahren für die Gesundheit aufdeckten. Neben giftigen Flammschutzmitteln wurden auch diverse krebserregende Stoffe gefunden. Und nicht zuletzt geben die Lampen eine ultraviolette Strahlung ab, die ähnliche Hautschäden verursachen kann wie Sonnenlicht. Die Kompaktstofflampen dürfen wegen der enthaltenen Giftstoffe deshalb auch nicht in den Hausmüll wandern, sondern müssen als Sondermüll entsorgt werden. Aufgrund dieser Fakten wird inzwischen von Experten und Verbrauchern die Umweltfreundlichkeit der Energiesparleuchten bezweifelt.

Energiesparlampe in Zukunft ohne Quecksilber

Doch nun hat ein deutsches Forschungskonsortium eine Neuentwicklung vorgestellt: die Energiesparleuchte »3rdPPBulb«. Sie kommt gänzlich ohne Quecksilber aus. Rainer Kling vom Lichttechnischen Institut (LTI) des Instituts für Technologie in Karlsruhe geht davon aus, dass die Lizenzverhandlungen über die Patente mit den großen Lampenherstellern in Kürze abgeschlossen sein werden und die neue Energiesparlampe im folgenden Jahr in den Handel kommt.

Zwei Jahre lang haben die Wissenschaftler etliche Materialien getestet, bis die richtige Kombination von Metallverbindungen als Ersatz für das Quecksilber gefunden war. Die genaue Zusammensetzung der verwendeten ungiftigen Gase ist geheim, enthält aber wohl Argon und Indium.

Elektroden nicht mehr notwendig

Die neue Energiesparlampe enthält auch keine Elektroden mehr. Das Gasgemisch wird durch Mikrowellen außerhalb des Lampenkolbens entzündet, so dass ein Elektrodenabbrand ausgeschlossen ist. Die Mikrowellentechnik ist nach Angaben der Forscher ungefährlich, ähnlich wie sie in Mobiltelefonen eingesetzt wird. Die Entwickler heben einige Vorzüge der neuen Lampentechnik hervor: kurze Startphase, angenehme Lichtfarben und bessere Farbwiedergabe, hohe Leuchtkraft und Dimmbarkeit der Energiesparlampe.

Auf einer Präsentation leuchtete ein Prototyp von »3rdPPBulb« nach dem Einschalten sofort hell auf. Die Lebensdauer der neuen Kompaktstoffleuchte soll bis zu 30.000 Stunden betragen. Allerdings wurde auch schon bei den herkömmlichen Energiesparlampen eine lange Lebensdauer versprochen, die sich aber in Tests der Stiftung Warentest sehr unterschiedlich darstellte. Im Durchschnitt soll eine Energiesparlampe etwa 10.000 Stunden brennen. Bei entsprechenden Tests lag die Spannbreite zwischen 4.500 und 19.000 Stunden. Es bleibt also abzuwarten, wie lange die innovative Energiesparlampe in der Praxis Licht spendet. Der Preis der neuen Energiesparlampe soll etwa dem einer herkömmlichen Kompaktstoffleuchte entsprechen.

Quellen:

Karlsruher Institut für Technologie (KIT), www.3ppbulb.com

Tatsiana Mironava, Michael Hadjiargyrou, Marcia Simon, Miriam H. Rafailovich: The Effects of UV Emission from Compact Fluorescent Light Exposure on Human Dermal Fibroblasts and Keratinocytes In Vitro, Published 20 july 2012 in Photochemistry and Photobiology DOI: 10.1111/j.1751-1097.2012.01192.x

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