Aspirin hat eine positive Wirkung bei Tests zur Darmkrebsfrüherkennung

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Früherkennung von Darmkrebs ist die Untersuchung auf verborgenes (okkultes) Blut im Stuhl. Bisher fürchteten Ärzte, dass die Ergebnisse dieser Untersuchung verfälscht werden könnten, wenn der Patient Aspirin einnimmt.

Aspirin, beziehungsweise der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), wird in niedrigen Dosierungen häufig zur Verbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen verordnet. Dies betrifft natürlich vor allem Risikogruppen wie Diabetiker und Bluthochdruckpatienten.
Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum konnten in einer Studie mit 2000 Teilnehmern nachweisen, dass eher das Gegenteil zutrifft. Bei den Studienteilnehmern verbesserte sich sogar die Empfindlichkeit immunologischer Stuhltests unter der Einnahme von Aspirin.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 73.000 neue Fälle von Darmkrebs diagnostiziert. Ein Großteil davon ließe sich durch entsprechende Früherkennung vermeiden. Denn werden Krebsvorstufen frühzeitig erkannt und entfernt, kommt die Krebserkrankung in der Regel nicht zum Ausbruch. Zu den Krebsvorstufen gehören auch zunächst gutartige Darmpolypen. Diese Schleimhautwucherungen haben eine hohe Neigung zur bösartigen Entartung. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung hat Darmpolypen. Bei der Entstehung spielen genetische Faktoren, Alter und Lebens- und Ernährungsweise ein Rolle.

Der Test auf okkultes Blut im Stuhl ist bei der Früherkennung immer noch das Mittel der ersten Wahl. Hierbei gibt es inzwischen neuere Testverfahren, die Blutbestandteile auf immunologischer Basis mit Antikörpern nachweisen. Sie gelten als zukunftsweisend und sollen sicherere Ergebnisse bringen.
In Deutschland wird die Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl für Personen ab 50 Jahre empfohlen. Gerade in dieser Altersgruppe befinden sich jedoch häufig Patienten, die niedrig dosiertes Aspirin einnehmen.
Es ist bekannt, dass Aspirin die Blutungsneigung im Magen-Darmtrakt erhöht. Deswegen befürchteten Mediziner bis jetzt, dass dadurch falsche Ergebnisse bei den Stuhltests entstehen könnten. Es wäre möglich, dass die Tests auf Blut reagieren, das nicht aus Krebsvorstufen stammt. Dies würde weitere Untersuchungen nach sich ziehen, die eventuell unnötig sind.
Auf der anderen Seite wäre es denkbar, dass Aspirin auch die Blutungsneigung von Krebsvorstufen erhöht. Das würde eine Diagnose erleichtern und beschleunigen.

Um den Einfluss von Aspirin definitiv zu ermitteln, führte das Deutsche Krebsforschungszentrum eine Studie mit etwa 2000 Teilnehmern durch. Diese Gruppe hatte sich zwischen 2005 und 2009 einer Früherkennungs-Darmspiegelung unterzogen. 233 Teilnehmer gaben im Vorfeld an, regelmäßig niedrig dosiertes Aspirin einzunehmen. Anhand dieser Zahl wird deutlich, wie groß die Gruppe der Patienten ist, die Aspirin zur Vorbeugung von Komplikationen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen anwendet. Eine mögliche Verfälschung der Testergebnisse würde deshalb ein ernstzunehmendes Problem bei der Darmkrebsfrüherkennung darstellen.
Bei den Studienteilnehmern wurden neben der Darmspiegelung zwei verschiedene immunologische Tests auf verstecktes Blut im Stuhl durchgeführt. Die Testergebnisse wurden mit den Ergebnissen der Darmspiegelung abgeglichen. Zurzeit gilt die Darmspiegelung immer noch als sicherstes Verfahren zur Diagnose von Darmkrebs oder Krebsvorstufen.

Das Ergebnis bei der Darmspiegelung war, dass es keinen Unterschied zwischen Aspirin-Anwendern und Nichtanwendern gab hinsichtlich der Häufigkeit von fortgeschrittenen Krebsvorstufen.
Überraschende Ergebnisse brachten die immunologischen Bluttests. Bei den Aspirin-Nutzern wurden tatsächlich vorhandene Krebsvorstufen fast doppelt so häufig aufgespürt wie bei Nichtnutzern. Gleichzeitig gab es nur unwesentlich öfter „falschen Alarm“.
Bei den Aspirin-Anwendern war die Empfindlichkeit des Stuhltests sogar so hoch, dass er fast die Sicherheit einer „kleinen Darmspiegelung“ (Sigmoidoskopie) erreichte.
Die Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Dr. Hermann Brenner und Dr. Ulrike Haug überlegen nun, ob eine kurzzeitige Einnahme von Aspirin die Resultate von Früherkennungs-Stuhltests verbessern könnte.

Das Früherkennungsprogramm der deutschen Krankenversicherungen beinhaltet ab einem Alter von 50 Jahren einen Test auf okkultes Blut im Stuhl. Erstattet wird jedoch nur der enzymatische, und nicht der immunologische Test, der in der Studie verwendet wurde. Ab dem 55. Lebensjahr haben Versicherte das Recht auf eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs. Hat diese Erstuntersuchung vor dem 65. Lebensjahr stattgefunden, hat der Versicherte Anspruch auf eine weitere Darmspiegelung nach zehn Jahren.

Quellen: http://www.dkfz.de
Weiterführende Informationen: Hermann Brenner, Sha Tao und Ulrike Haug: Low dose Aspirin Use and Performance of Immunochemical Fecal Occult Blood Tests. Journal of the American Medical Association, 8. Dezember 2010, Band 304, Seite 2513-2520.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – nicht ersetzen kann.

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