Cholesterinsenker hemmen Metastasenbildung

Cholesterinsenker zeigen Wirkung bei Metastasenbildung

Metastasenbildung ist eins der größten Probleme in der Krebsbehandlung. Schweizer Forscher entdeckten nun, dass Cholesterinsenker diesem Mechanismus entgegenwirken.

Zu den weltweit am häufigsten verordneten Medikamenten gehören Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels. Patienten mit hohem Risiko auf Herz-Kreislauf-Probleme und Stoffwechselstörungen wie Diabetes und überhöhten Blutfetten erhalten solche Statine, um eine Arteriosklerose zu bremsen oder zu verhindern.

Forscher an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich entdeckten nun eine neue Wirkung des altbekannten Medikaments. An einem von ihnen entwickelten dreidimensionalen Zellkultursystem untersuchten sie, welche Wirkstoffe das Wachstum von Lymphgefäßen beeinflussen. Dieses Wachstum ist mitverantwortlich für die Metastasenbildung bei Krebspatienten und auch für eine Abstoßungsreaktion bei Organtransplantationen.

Neues Zellkultursystem

Herkömmliche Zellkulturverfahren bestanden aus einem zweidimensionalen Zellrasen in einer Zellkulturschale. Für das neue dreidimensionale System wurden winzige Naturkunststoffkügelchen mit menschlichen Lymphgefäßwandzellen beschichtet und in ein Gel gegossen. Durch Zufuhr von wachstumsfördernden Botenstoffen bildeten sie Aussprossungen, die im weiteren Verlauf neue Lymphgefäße bilden können.

Mit dem neuen Zellkulturverfahren war es den Wissenschaftlern möglich, mehr als 1.000 chemische Substanzen zu testen. Sie automatisierten den Prüfprozess mittels eines Screening-Mikroskops der ETH Zürich. Das Ergebnis waren 100.000 hochauflösende Bilder, die zeigten, ob die Lymphgefäßwandzellen Aussprossungen gebildet hatten. Die Anzahl der Aussprossungen wurden mit einem speziell dafür entwickelten Algorithmus ausgewertet.

3D-Zellkulturen können Tierversuche reduzieren

Die Testergebnisse des dreidimensionalen Zellkulturverfahrens entsprechen mehr den Messergebnissen von Tierversuchen und sind aussagekräftiger als herkömmliche Testsysteme. So könnte zukünftig die Anzahl der Tierversuche reduziert werden, auch wenn große Mengen an Wirkstoffen getestet werden müssen.

Bei dem aktuellen Screening der Wirkstoffe fanden sich unter den 1.000 Substanzen etwa 30, die das Lymphgefäßwachstum blocken. Die Wissenschaftler untersuchten zwei Wirkstoffe, von denen diese Wirkung bisher nicht bekannt war, genauer. Die Lymphgefäßwachstum hemmende Wirkung verschiedener Statine konnten sie durch Tierversuche an Mäusen bestätigen.

Statine in Zukunft gegen Krebs?

Die Forschungsergebnisse könnten es ermöglichen, dass die vielfach verordneten Statine zukünftig nicht nur zur Senkung überhöhter Blutfette eingesetzt werden, sondern auch zur Behandlung von Krebserkrankungen. Es ist schon seit Längerem bekannt, dass zahlreiche Krebsarten sich im Körper über die Lymphgefäße ausbreiten. Einige Tumorarten produzieren Stoffe, die das Wachstum von Lymphgefäßen zum Tumor stimulieren und so die Blutzufuhr zur Krebsgeschwulst erhöhen. Ein Medikament, das diesen Mechanismus unterbricht, wäre deshalb ein Segen für die Krebstherapie. Aktuell gibt es keine Arzneimittel, die das zuverlässig bewirken.

Laut den Angaben der Wissenschaftler könnten demnächst Patienten mit erhöhtem Risiko auf Krebserkrankungen eventuell vorbeugend mit solchen Medikamenten behandelt werden, um die Metastasenbildung eines beginnenden Tumors zu blockieren. Vorteil der Statine ist, dass sie schon für andere Erkrankungen zugelassen sind und daher gut erforscht. Dennoch muss untersucht werden, ob Statine in einer herkömmlichen Dosierung in der Lage sind, das Lymphgefäßwachstum ausreichend zu blockieren.

Quelle: ETH Zürich

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