Energy-Drinks bringen nicht nur das Herz aus dem Takt

Kaffee ist gesünder als Energy-Drinks (Martina Friedl / pixelio.de)

Energy-Drinks sollen schnell Energie liefern, Müdigkeit vertreiben und einen Frische-Kick liefern. Der Wachmacher für zwischendurch. Doch bei mehr als vier Dosen täglich kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen.

Wissenschaftler der Schlesischen Universität Kattowitz testeten in einer Studie die Wirkung von Energy-Drinks mit 120 und 360 mg Koffeingehalt an 18 gesunden Probanden im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Die Wissenschaftler unter der Leitung der Nierenspezialisten Dr. Magdalena Szotowska stellten fest, dass es durch die 120-mg-Koffein-Dosis nicht zu nennenswerten Veränderungen bei Blutdruck und Pulsfrequenz kam. Das Getränk mit der 360-mg-Dosis verursachte allerdings einen deutlichen Blutdruckanstieg (systolisch 9.0 mmHg, diastolisch 9.4 mmHg) sowie eine erhöhte Pulsfrequenz von im Schnitt fünf Schlägen pro Minute. Zusätzlich zeigten sich bei diesen Studienteilnehmern Herzrhythmusstörungen mit Herzrasen (Tachykardie), Angstzuständen und Schlaflosigkeit. Dr. Szotowska ist nicht davon überzeugt, dass der systolische Blutdruckanstieg zwingend dem Energy-Drink zuzuordnen ist, weil er nur 15 Minuten nach dem Verzehr auftrat. Der diastolische Anstieg allerdings, der 30 Minuten nach dem Genuss der 360-mg-Dosis Koffein auftrat sowie das Herzrasen 90 Minuten nach dem Konsum sind sehr wahrscheinlich eine Folge des Drinks.

Energy-Drinks – die kombinierten Inhaltsstoffe sind problematisch

Dr. Szotowska glaubt, dass die Kombination der verwendeten Substanzen Saccharose, Taurin und Inosit mehr für die unerwünschten Nebenwirkungen verantwortlich ist als das Koffein alleine. Deshalb ist eine weitere Studie geplant. Dr. Szotowska rät vor allem Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes und Herzproblemen vom Verzehr der Energy-Drinks ab. Und das, obwohl sie vor der Studie selbst gerne Energy-Drinks getrunken hat. Doch solche Ergebnisse hatten die Wissenschaftler nicht erwartet. Und Zusatzstoffe wie Guarana, häufig zu finden in den Erfrischungsgetränken, verstärken noch die aufputschende Wirkung der Energy-Drinks. Die Früchte der südamerikanischen Guarana-Pflanze enthalten ebenfalls Koffein, das im Körper nur sehr langsam abgebaut wird. Die Koffeinwirkung wird verstärkt und verzögert. Und Koffein kann abhängig machen: Wer täglich mehr als vier bis sechs Drinks zu sich nimmt, kann süchtig werden. Entzugserscheinungen äußern sich meist als Kopfschmerzen, Nervosität, Unruhe, Reizbarkeit sowie Konzentrations- und Schlafstörungen.

Weitere diesjährige Studien aus den USA bestätigen, dass eine Dose »Red Bull« mit 80 mg Koffeingehalt den Blutdruck erhöht. Dieselbe Menge Koffein alleine zeigt nicht diese Wirkung. Eine australische Gift-Notruf-Zentrale berichtet von fast 300 Fällen mit Vergiftungserscheinungen aufgrund von Energy-Drinks. Die Betroffenen – alle im Alter von etwa 17 Jahren – hatten durchschnittlich fünf Energy-Drinks in einer Stunde konsumiert. Die meist genannten Symptome waren Herzklopfen, Unruhe, Zittern und Magen-Darm-Verstimmungen. 21 Patienten zeigten schwere Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf- und Nervensystems. 128 Patienten, von denen 57 nichts anderes zu sich genommen hatten, mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden. Amerikanische Kinderärzte fordern nun die Sicherheit dieser Produkte genauer zu untersuchen, und nötigenfalls die Vorschriften anzupassen. Denn laut einem Bericht des kalifornischen »Fountain Valley Patch« starb im Dezember 2011 sogar ein gesundes 14-jähriges Mädchen wenige Tage nach dem Konsum von Energy-Drinks. Die Autopsie ergab als Todesursache Herzrhythmusstörungen aufgrund einer Koffeinvergiftung.

Energy-Drinks – schaden auch den Zähnen

Weitere Studien über Energy-Drinks ergaben einen sehr hohen Säuregehalt, der den Zahnschmelz schnell angreift. Und der enthaltene Zucker – zehn bis zwölf Würfel pro 250-ml-Dose – beschleunigt noch zusätzlich die Entstehung von Karies. Mal ganz abgesehen vom Risiko, bei täglichem Genuss schnell zu viele Kilos auf den Hüften zu haben. Allergiker sollten ebenfalls besser zu anderen Getränken greifen, denn die vielen Zusatz- und Farbstoffe können bei Betroffenen allergische Reaktionen hervorrufen. Weil die Trendgetränke in den schrillbunten Verpackungen mit skurrilen Namen wie »Rockstar Original«, »Rhino‘s« oder »Sexergy« besonders von Jugendlichen geliebt werden, müssen die Hersteller per Gesetz auf den erhöhten Koffeingehalt hinweisen. Ab 2014 ist zusätzlich der Hinweis vorgeschrieben: »nicht empfohlen für Kinder, Schwangere und koffeinempfindliche Personen«. Ob dadurch die Kaufentscheidung der vorwiegend jungen Konsumenten beeinflusst wird, bleibt abzuwarten.

Quellen:

1. Szotowska M, Bartmanska M, Wyskida K, et al. Influence of »energy drinks« on the blood pressure and the pulse rate in healthy young adults. J Hypertension 2012; 30 (e-Supplement A):e369

2. Koczwara K. Moms talk: Are energy drinks safe for teens? Fountain Valley Patch, April 26, 2012

3. Academy of General Dentistry. (2012, May 3). »Irreversible Damage To Teeth Caused By Sports And Energy Drinks.« Medical News Today

Foto: Martina Friedl / pixelio.de

So kann man den Blutdruck senken

Risiken und Behandlungsmöglichkeiten von Bluthochdruck: http://www.gesundheitundwissenschaft.com/2013/04/so-kann-man-den-blutdruck-senken.html

Das Salz in der Suppe – für Senioren ein Muss

Quelle: Bilderkiste.de
Natriummangel hat Auswirkungen

Ernährungswissenschaftler und Mediziner empfehlen immer noch generell eine möglichst salzarme Ernährung. Insbesondere zur Vorbeugung von Bluthochdruck soll die Verwendung von Kochsalz eingeschränkt werden.

Aktuelle Studien regen neue Diskussionen an

Neuere Studien zeigen, dass der Einfluss von Kochsalz auf den Blutdruck überschätzt wird. Vor allem Menschen ohne Vorerkrankungen brauchen nicht auf Salz beim Kochen zu verzichten. Lediglich bei Bluthochdruckpatienten kann es sinnvoll sein, den Salzkonsum in Maßen zu halten.
Gesunde Menschen entwickeln nicht zwingend eine Hypertonie (Bluthochdruck), wenn sie überdurchschnittlich viel Salz aufnehmen. Auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall wurde nicht erhöht. Die Auswertung verschiedener Studien ergab sogar, dass in den Gruppen mit dem niedrigsten Salzkonsum eine höhere Sterblichkeitsrate vorlag als in den anderen Gruppen.

Salzmangel kann Folgen haben

Weil im höheren Lebensalter Appetit und Durstgefühl nachlassen, kann es bei Senioren schneller zu Salzmangel kommen. Ältere Menschen essen oft nur noch wenig und trinken auch nicht genügend, um ein Defizit an Elektrolyten auszugleichen. Viele Senioren ernähren sich zudem schon natriumarm, um Bluthochdruck zu vermeiden und weil salzarme Speisen als besonders gesund gelten.
Doch diese Ernährungsweise kann speziell für Senioren negative Folgen haben: der Salz-Wasser-Haushalt kommt aus dem Gleichgewicht und als Folge können Muskelschwäche, Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit und eine erhöhte Sturzneigung auftreten. Menschen mit einem Natriummangel sind weniger aufmerksam und können Probleme mit dem Gleichgewicht haben. Schon ein leichter Salzmangel zeigt ähnliche Auswirkungen wie ein Blutalkoholspiegel von 0,6 Promille.
Senioren leiden nicht zuletzt häufig an Herz- oder Nierenerkrankungen, die einen erhöhten Elektrolytverlust zur Folge haben. Ebenso kann es unter der Einnahme von entwässernden Medikamenten (Diuretika) zu vermehrtem Natriumverlust kommen.

Aufklärung weiterhin erforderlich

Bei der 19. Aachener Diätetik Fortbildung forderte Dr. Dag Schütz weitere Forschungen bezüglich des Natriummangels. Die Folgen einer chronischen Unterversorgung mit Salz sind noch zu wenig untersucht worden. Deutlich ist, dass Senioren wegen ihres Essverhaltens, bestehender Vorerkrankungen und bei der Einnahme bestimmter Arzneimittel besonders gefährdet sind. Ein über längere Zeit deutlich erniedrigter Blutdruck und darüber hinaus Appetitverlust stellen Hinweise auf einen Natriummangel dar. Untersuchungen ergaben, dass 23 Prozent der Senioren, die stationär im Krankenhaus aufgenommen werden, aber noch mobil sind, einen zu niedrigen Kochsalzspiegel aufweisen. Bei den bettlägerigen Patienten wiesen sogar mehr als 35 Prozent bei der Klinikaufnahme einen reduzierten Natriumspiegel auf. Ältere Menschen dürfen also getrost eine Prise Salz zusätzlich aufs Frühstücksei streuen.

Quellen: Springermedizin, djd

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