Magnesium – das unterschätzte Mineral

Die Bedeutung des Mineralstoffs Magnesium für unsere Gesundheit wird noch weit unterschätzt. Weitere Informationen beim Onlinemagazin Suite101:

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Warum wir fettes Essen so sehr lieben

Chips machen süchtig

Insgeheim haben wir es ja schon immer geahnt: Pommes Frites, Currywurst, Hamburger, Pizza, Chips, all diese von uns so geliebten fetten Köstlichkeiten machen uns süchtig. Süchtig nach mehr fettem Essen. Wissenschaftler fanden nun neue Erklärungen für diesen ungesunden Zwang.

Regelmäßig überfällt uns ein richtiggehender Heißhunger auf Fast Food und Co. Und wir sind hilflos, wehrlos, machtlos. Wir sind nicht in der Lage uns diesen Verlockungen zu entziehen. Obwohl wir wissen, dass zu viel Fett nicht gut für uns ist und im Laufe der Zeit zu ernsten Folgeerkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs führen kann.

Amerikanische Forscher der University of California in Irvine haben nun bei Versuchen mit Ratten interessante Reaktionen beobachtet. Sie stellten fest, dass die Darmzellen eine körpereigene Droge abgeben, die die Lust auf fettiges Essen fördert. Dabei reicht schon der Geschmack von Fett aus, um die Produktion der sogenannten Endocannabinoide auszulösen. Endocannabinoide sind verwandt mit dem Cannabis der Hanfpflanze. Sie bewirken die Ausschüttung von Verdauungssäften und fördern so das Hungergefühl.

Zukünftig die Pille gegen den Fetthunger?

Die Ratten erhielten bei der Studie fettreiche Nahrung in Form von Maisöl-Emulsionen. Die Tiere durften an dem Öl allerdings nur lecken, es aber nicht verschlucken. Anschließend wurden mittels regelmäßiger Probenentnahmen Messungen der Endocannabinoid-Konzentration in verschiedenen Hirnregionen und Körpergeweben der Nager durchgeführt. Die Werte stiegen jedoch nur im vorderen Abschnitt des Verdauungstraktes an und nicht im Gehirn oder in anderen Gewebestrukturen. Weiterhin zeigt sich dieser Effekt nicht bei der Aufnahme von Zucker oder Protein. Dies beweist, dass Endocannabinoide eine wichtige Rolle bei der Regulation der Fettaufnahme spielen. Die Forscher hoffen, diesen Mechanismus in Zukunft beeinflussen zu können und den Appetit auf fettes Essen zu bremsen.
Endocannabinoide binden an spezielle Rezeptoren (Andockstellen). Diese Ansatzstellen können vielleicht genutzt werden, um den Heißhunger auf Fett mit Medikamenten zu dämpfen. Eine Substanz, die die entsprechenden Rezeptoren blockiert, könnte übergewichtigen und adipösen Patienten helfen, das Hungergefühl zu stoppen. Und weil diese Medikamente nicht im Gehirn wirken, entfallen Nebenwirkungen wie Angst und Depressionen. Diese unerwünschten Wirkungen wurden nämlich beobachtet, wenn man die Endocannabinoid-Signale im Gehirn ausschaltet, erklärte der Leiter der Studie, Daniele Piomelli. Die Wissenschaftler vermuten eine Schalterfunktion der Endocannabinoide. Mehr Endocannabinoide regen den Fetthunger an, eine Abnahme des Endocannabinoid-Spiegels löst Sättigung aus. Diese Vermutung muss noch durch weitere Experimente bestätigt werden. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht.

Die Lust auf Fett ist ein Erbe unserer Vorfahren, denn Fette sind notwendig für die Funktion unserer Körperzellen, sind aber rar in der Natur. In unserer heutigen Gesellschaft sind Fette leicht und dauernd verfügbar. Fast Food und Fertiggerichte sind mit übermäßigen Einfach-Fetten zubereitet, denn Fett ist ein Geschmacksträger. Je mehr Fett, desto größer das Geschmackserlebnis. Dies macht sich die Lebensmittelindustrie zunutze und verwendet immer mehr Fett bei der Herstellung von Nahrungsmitteln. Ein übermäßiger Genuss macht uns jedoch krank und führt zu Fettleibigkeit, Diabetes, Krebs und Gefäßerkrankungen.

Das Endocannabinoid-System regelt wichtige Prozesse

Schon 2008 hat eine Forschergruppe mit Wissenschaftlern der Universitäten Bonn und Mainz unter der Leitung von Professor Dr. Andreas Zimmer begonnen, das Endocannabinoid-System genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Substanzen, die dem Drogeninhaltsstoff THC (Tetrahydrocannabinol) ähneln, scheinen im menschlichen Organismus eine Schlüsselrolle zu spielen. THC, das für die berauschende Wirkung im Marihuana verantwortlich ist, dockt im Gehirn an bestimmte Stellen in den Neuronen an, den sogenannten CB1-Rezeptoren. Dadurch verändert sich die Signalverarbeitung und die Folge ist ein Rauschzustand. Neben der Regulierung diverser Prozesse im Zentralnervensystem ist das Endocannabinoid-System auch an der Steuerung des Immunsystems und der Zellkommunikation beteiligt.
Der Mensch hat CB1-Rezeptoren, weil wir selbst Substanzen produzieren, die an diese Rezeptoren binden. Diese Endocannabinoide beeinflussen dadurch bestimmte Hirnregionen und ihre Funktionen, beispielsweise das Gedächtnis.
Das Endocannabinoid-System hat eine wichtige Rolle im menschlichen Körper und bei Störungen des Gleichgewichts treten Herzerkrankungen, Allergien, Osteoporose und Gedächtnisstörungen auf.

Doch Endocannabinoide wirken nicht nur im Gehirn, sondern auch in anderen Zellen. Dazu binden sie an eine andere Zielstruktur, den CB2-Rezeptor, der in den Gehirnzellen nicht vorkommt. So regulieren sie auch das Knochenwachstum und Entzündungsvorgänge in der Haut und sorgen nach Stresssituationen dafür, dass Körperfunktionen wie Blutdruck und Puls wieder zum Normalzustand zurückkehren. Dauerstress ist für den menschlichen Organismus extrem schädlich. Fehlfunktionen des Endocannabinoid-Systems führen deshalb zu ernsthaften Krankheiten wie Depressionen, chronischen Schmerzzuständen, Herzkrankheiten und Drogensucht.
Die Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Mainz erforschen, wie der Körper das System reguliert. Endocannabinoide haben nur eine kurze Lebensdauer. Sie werden oft innerhalb weniger Minuten abgebaut. Die Forscher wollen wissen, wie dieser Abbau funktioniert und ob er mit Medikamenten zu beeinflussen ist. Weitere Untersuchungen sollen klären, welche Folgen Fehlfunktionen der CB1- und CB2-Rezeptoren haben. Mittelfristig hoffen die Wissenschaftler auf neue Erkenntnisse wie Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen und wie man sie erfolgreich behandeln kann.

Lupinensamen – ein Nahrungsmittelrohstoff der Zukunft

Lupinenproteine machen’s möglich: In Zukunft könnten Fleisch- und Wurstwaren deutlich fettärmer hergestellt werden.

Übergewicht und Fettleibigkeit (Obesitas) haben in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Schon Kinder wiegen oftmals zu viel und der hohe Fleischkonsum tut ein Übriges dazu. In Ländern wie China und Brasilien steigt der Fleischverbrauch noch immer an. Seit 1961 ist weltweit der Verzehr an rotem Fleisch auf das Vierfache angewachsen. Rotes Fleisch sind Produkte von Rind, Schwein oder auch Lamm.

Pflanzliche Nahrungsmittelerzeugung ist ertragreicher

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO geht sogar von einer Verdoppelung der globalen Fleischproduktion bis 2050 aus. Diese wachsende Fleischproduktion erfordert große Flächen an Ackerland. Für ein Kilogramm Fleisch sind sieben bis 16 Kilogramm Tierfutter in Form von Getreide oder Sojabohnen notwendig. Doch die weltweiten Ressourcen an Anbauflächen sind begrenzt. Und der Anbau von Pflanzen als Nahrungsmittel ist erheblich weniger flächenintensiv. Die Erzeugung von einem Kilo Fleisch erfordert 40 Quadratmeter. Auf derselben Fläche könnte man jedoch 120 Kilo Möhren oder 80 Kilo Äpfel anbauen. Deshalb arbeiten Forscher mit Hochdruck daran, möglichst viele Pflanzenbestandteile für die Ernährung zu nutzen. In Zukunft sollen pflanzliche Zutaten tierische Rohstoffe ersetzen. Lupinensamen könnten zur Herstellung von fettarmen und schmackhaften Wurst- und Fleischwaren genutzt werden. Aus den Samen wird eine cremige Proteinmasse gewonnen, die sich für Würste mit reduziertem Fettanteil eignet.

Und die Forscher haben noch weitergehende Pläne: aus Pflanzen können auch technische Rohstoffe und Energieträger erzeugt werden. Dr.-Ing. Peter Eisner vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik IVV in Freising führt als Beispiel die Verarbeitung von Sonnenblumenkernen an. Sie werden gepresst zur Gewinnung von entsprechendem Öl und die Reste werden als minderwertiges Tierfutter verwendet. Das bringt einen Ertrag von 950 Euro pro Hektar Anbaufläche. Würden alle Bestandteile verarbeitet, beispielsweise für die Grundstoffherstellung der Kosmetik-, Lebensmittel- und Kraftstoffindustrie, wäre ein Ertrag von 1770 Euro pro Hektar möglich.

Lupinenproteine anstatt tierische Fette als Geschmacksträger

Das besondere Augenmerk bleibt auf die Nutzung von pflanzlichen Lebensmittelzutaten als Ersatz für tierische Nahrungsprodukte gerichtet. Eisner präsentiert einen Milchersatz aus Lupinenproteinen. Er kann als Grundlage für Käse oder Speiseeis eingesetzt werden. Er ist geschmacksneutral, laktosefrei, ohne Cholesterin und zusätzlich reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die essenziell für eine gesunde Ernährung sind. Eisners Kollegin Daniela Süßmann entwickelte aus Lupinensamen ein neues pflanzliches Proteinisolat, dass fettähnliche Eigenschaften aufweist. Die mikroskopische Struktur ähnelt den Fetten in Wurstbrät. Die Proteinmasse eignet sich daher optimal zur Fertigung magerer Wurstsorten, die einen genauso guten Geschmack haben wie die Originalwürste. So lässt sich fettarme Leberwurst durch Zugabe von zehn Prozent Proteinisolat deutlich in der Konsistenz verbessern. Besonders im Bereich der Wurstwaren wäre diese Fettreduktion wünschenswert, da gerade sie zu den fettreichen Lebensmitteln gehören. In Deutschland werden durchschnittlich 31 Kilo Wurst pro Kopf und Jahr gegessen. Folglich nehmen Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen zu. Könnten mehr tierische Fette durch pflanzliche Anteile ersetzt werden, würde sich dies vorteilhaft auf mehrere Bereiche auswirken: weniger Aufnahme an tierischem Fett für die Verbraucher, höhere Erträge für die Landwirte und weniger Belastung für die Umwelt, weil die Produktion von Pflanzen nachhaltiger ist als die Fleischerzeugung.

ASS – die neue Wunderwaffe gegen Krebs?

Aspirin hat sich über viele Jahre hinweg als Schmerzmittel bewährt. Der Wirkstoff ASS (Acetylsalicylsäure) wirkt gut gegen leichte bis mittelstarke Schmerzen. Eine neue Studie der University of Oxford zeigt, dass Aspirin auch das Krebsrisiko verringert.

Aspirin – oder vielmehr sein Wirkstoff Acetylsalicylsäure – wird schon lange eingesetzt, um die Fließeigenschaften des Blutes zu verbessern. Patienten mit erhöhtem Risiko auf Herzinfarkt oder Schlaganfall erhalten deshalb langfristig niedrig dosiertes ASS (Acetylsalicylsäure).

Der Neurologe Peter Rothwell und seine britischen Kollegen an der University of Oxford stellten nun in einer Studie fest, dass solch eine Langzeittherapie mit niedrig dosiertem Aspirin auch zur Verringerung des Krebsrisikos beitragen kann. Rothwell zeigt in seiner Statistik, dass jährlich mehr als 20.000 Krebstote in Deutschland vermieden werden könnten, wenn jeder Bundesbürger täglich für viele Jahre ASS schlucken würde.

Ob eine derartige Vorbeugung sinnvoll ist, bleibt noch offen. Die Fakten der britischen Wissenschaftler beruhen auf einer Neuauswertung von acht Studien mit insgesamt 25.570 Teilnehmern. Darin wurde Ende der siebziger Jahre untersucht, ob ASS im Vergleich mit einem Placebo Herzinfarkte und Schlaganfälle verhüten kann. An eine Wirkung auf das Krebsrisiko hatte damals noch niemand gedacht.
Rothwells Forscherteam verglich nun anhand von Sterberegistern die Krebssterblichkeit der mit Aspirin oder mit einem Placebo behandelten damaligen Studienteilnehmer. Ihre verblüffenden Erkenntnisse wurden am 07.12.2010 im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlicht. Das Krebstodrisiko der Aspirin-Anwender sank innerhalb von zwanzig Jahren nach dem Beginn der Einnahme um zwanzig Prozent. Die schützende Wirkung stieg sowohl mit dem Alter als auch mit der Dauer der Einnahme. Bei einer Einnahme von mehr als fünf Jahren sank das Krebstodrisiko rechnerisch um mehr als 30 Prozent.
Der Krebsepidemiologe Nikolaus Becker vom Deutschen Krebsforschungszentrum warnt jedoch vor allzu großer Euphorie, da die neu ausgewerteten Studien nicht mit dem Ziel der Krebsprävention geplant waren.
Im Nationalen Zentrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg ist man begeistert. Die Leiterin der Abteilung Präventive Onkologie, Cornelia Ulrich, hält Rothwells Studie für das Beste, was es zur Frage der Krebsvorbeugung momentan gibt. Die Zahlen, die die britischen Wissenschaftler errechneten sind tatsächlich positiv. Das Sterberisiko sank zwischen 30 und 60 Prozent. Sogar für Prostatakrebs und Hirntumore sank die Sterblichkeitsrate. ASS wirkt allerdings nur als Schutz bei soliden Tumoren, jedoch nicht bei Blutkrebsarten.

Kritik an der ASS-Studie

Kritiker der Studie geben zu bedenken, dass die Studie ursprünglich nur die Auswirkungen von ASS auf das Herzrisiko ermitteln sollte. Unbeachtet blieb, ob die Teilnehmer Faktoren für eine erhöhte Krebsgefahr aufwiesen, beispielsweise eine familiäre Vorbelastung. Ebenso bezweifeln die Kritiker, dass vier Jahre Nachbeobachtung für langfristige Rückschlüsse auf die Krebsgefahr ausreichen.
Misstrauen herrscht auch gegenüber der Objektivität der Autoren des Lancet-Artikels. Sechs der sieben Autoren erhielten in der Vergangenheit Honorare von Pharmaunternehmen, die ASS oder verwandte Medikamente produzieren.

Wirkung von ASS

ASS oder Aspirin gehört zu den nichtsteroidalen Entzündungshemmern. Es blockiert zwei bestimmte Enzyme (Cox-1 und Cox-2). Dadurch verringert sich die Gerinnungsfunktion der Blutplättchen und führt zu einer blutverdünnenden Wirkung. Die beiden Enzyme Cox-1 und Cox-2 sind auch an der Produktion von Prostaglandinen beteiligt. Diese hormonartigen Stoffe steuern Entzündungen im Körper. Durch die Blockade dieser Enzyme werden also Entzündungen reduziert. Diese Entzündungshemmung in Kombination mit der blutverdünnenden Wirkung senkt bei Risikopatienten die Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine Dosis von 75 bis 100 Milligramm ASS täglich ist dafür schon ausreichend.
Für eine krebshemmende Wirkung muss die Dosis nach bisherigen Erkenntnissen größer als 50 Milligramm pro Tag sein. 300 Milligramm haben keinen höheren Effekt mehr. Die optimale Dosierung muss in zukünftigen Untersuchungen geklärt werden.

Wirkung von ASS auf Krebszellen

Forscher wissen durch Versuche an Tieren und Zellkulturen, dass die Cox-Enzyme das Überleben und die Vermehrung von Krebszellen fördern. Sie werden schon in frühen Tumorstadien vermehrt gebildet. Dadurch wird die Produktion der entzündungsfördernden Prostaglandine erhöht. Prostaglandine erleichtern die Ausbreitung der Krebszellen im Gewebe und die Metastasenbildung im Körper. Prostaglandine unterstützen auch das Wachstum von Blutgefäßen im Tumor. Durch die Blockade der Cox-Enzyme kann ASS diese Effekte verhindern.

ASS kann Nebenwirkungen haben

Nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Aspirin können natürlich gefährliche Nebenwirkungen haben. Besonders bei hohen Dosen und Einnahme über lange Zeit kann es zu Entzündungen und Geschwüren der Magenschleimhaut und zu Magenblutungen kommen. Sogar lebensbedrohliche Darm- und Hirnblutungen sind wegen der blutverdünnenden Wirkung möglich.
Durch niedrige Dosierung von ASS reduzieren sich diese Gefahren allgemein. Trotzdem sind Nebenwirkungen nicht völlig auszuschließen. Der Wirkstoff ASS wird individuell verschieden von der Leber verarbeitet und ausgeschieden. Reaktionen auf ASS sind daher sehr unterschiedlich. Die Onkologin Cornelia Ulrich aus Heidelberg stellte weiterhin bei eigenen Studien fest, dass ASS nicht bei jedem eine krebsschützende Wirkung entfaltet.

ASS-Prävention – Nutzen und Risiko abwägen

ASS sollte nicht einfach zur Vorbeugung eingenommen werden. Experten raten von einer Selbsttherapie mit ASS ausdrücklich ab. Der individuelle Nutzen muss immer in Absprache mit einem Arzt bestimmt werden. Dafür ist das Risiko auf schwerwiegende Nebenwirkungen beim gesunden Menschen mit normalem Krebsrisiko zu groß.
Für Menschen mit einem erhöhten Krebsrisiko, beispielsweise aufgrund genetischer Faktoren, kann eine Einnahme von ASS sinnvoll sein. Auch bei bestehenden Darmpolypen kann mit ASS vorgebeugt werden, um die Gefahr von Darmkrebs zu reduzieren. Das Deutsche Krebsforschungszentrum arbeitet an Verfahren, um Nutzen und Risiken von ASS besser kalkulierbar zu machen. Glück haben Patienten, die schon mit ASS zur Vorbeugung gegen Herzinfarkt und Schlaganfall behandelt werden: sie können sich über zusätzlichen Schutz freuen.

Quellen: PM Rothwell and others. Effect of daily aspirin on long-term risk of death due to cancer: analysis of individual patient data from randomised trials. Lancet 2010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)62110-1

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – nicht ersetzen kann.

Aspirin hat eine positive Wirkung bei Tests zur Darmkrebsfrüherkennung

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Früherkennung von Darmkrebs ist die Untersuchung auf verborgenes (okkultes) Blut im Stuhl. Bisher fürchteten Ärzte, dass die Ergebnisse dieser Untersuchung verfälscht werden könnten, wenn der Patient Aspirin einnimmt.

Aspirin, beziehungsweise der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), wird in niedrigen Dosierungen häufig zur Verbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen verordnet. Dies betrifft natürlich vor allem Risikogruppen wie Diabetiker und Bluthochdruckpatienten.
Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum konnten in einer Studie mit 2000 Teilnehmern nachweisen, dass eher das Gegenteil zutrifft. Bei den Studienteilnehmern verbesserte sich sogar die Empfindlichkeit immunologischer Stuhltests unter der Einnahme von Aspirin.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 73.000 neue Fälle von Darmkrebs diagnostiziert. Ein Großteil davon ließe sich durch entsprechende Früherkennung vermeiden. Denn werden Krebsvorstufen frühzeitig erkannt und entfernt, kommt die Krebserkrankung in der Regel nicht zum Ausbruch. Zu den Krebsvorstufen gehören auch zunächst gutartige Darmpolypen. Diese Schleimhautwucherungen haben eine hohe Neigung zur bösartigen Entartung. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung hat Darmpolypen. Bei der Entstehung spielen genetische Faktoren, Alter und Lebens- und Ernährungsweise ein Rolle.

Der Test auf okkultes Blut im Stuhl ist bei der Früherkennung immer noch das Mittel der ersten Wahl. Hierbei gibt es inzwischen neuere Testverfahren, die Blutbestandteile auf immunologischer Basis mit Antikörpern nachweisen. Sie gelten als zukunftsweisend und sollen sicherere Ergebnisse bringen.
In Deutschland wird die Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl für Personen ab 50 Jahre empfohlen. Gerade in dieser Altersgruppe befinden sich jedoch häufig Patienten, die niedrig dosiertes Aspirin einnehmen.
Es ist bekannt, dass Aspirin die Blutungsneigung im Magen-Darmtrakt erhöht. Deswegen befürchteten Mediziner bis jetzt, dass dadurch falsche Ergebnisse bei den Stuhltests entstehen könnten. Es wäre möglich, dass die Tests auf Blut reagieren, das nicht aus Krebsvorstufen stammt. Dies würde weitere Untersuchungen nach sich ziehen, die eventuell unnötig sind.
Auf der anderen Seite wäre es denkbar, dass Aspirin auch die Blutungsneigung von Krebsvorstufen erhöht. Das würde eine Diagnose erleichtern und beschleunigen.

Um den Einfluss von Aspirin definitiv zu ermitteln, führte das Deutsche Krebsforschungszentrum eine Studie mit etwa 2000 Teilnehmern durch. Diese Gruppe hatte sich zwischen 2005 und 2009 einer Früherkennungs-Darmspiegelung unterzogen. 233 Teilnehmer gaben im Vorfeld an, regelmäßig niedrig dosiertes Aspirin einzunehmen. Anhand dieser Zahl wird deutlich, wie groß die Gruppe der Patienten ist, die Aspirin zur Vorbeugung von Komplikationen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen anwendet. Eine mögliche Verfälschung der Testergebnisse würde deshalb ein ernstzunehmendes Problem bei der Darmkrebsfrüherkennung darstellen.
Bei den Studienteilnehmern wurden neben der Darmspiegelung zwei verschiedene immunologische Tests auf verstecktes Blut im Stuhl durchgeführt. Die Testergebnisse wurden mit den Ergebnissen der Darmspiegelung abgeglichen. Zurzeit gilt die Darmspiegelung immer noch als sicherstes Verfahren zur Diagnose von Darmkrebs oder Krebsvorstufen.

Das Ergebnis bei der Darmspiegelung war, dass es keinen Unterschied zwischen Aspirin-Anwendern und Nichtanwendern gab hinsichtlich der Häufigkeit von fortgeschrittenen Krebsvorstufen.
Überraschende Ergebnisse brachten die immunologischen Bluttests. Bei den Aspirin-Nutzern wurden tatsächlich vorhandene Krebsvorstufen fast doppelt so häufig aufgespürt wie bei Nichtnutzern. Gleichzeitig gab es nur unwesentlich öfter „falschen Alarm“.
Bei den Aspirin-Anwendern war die Empfindlichkeit des Stuhltests sogar so hoch, dass er fast die Sicherheit einer „kleinen Darmspiegelung“ (Sigmoidoskopie) erreichte.
Die Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Dr. Hermann Brenner und Dr. Ulrike Haug überlegen nun, ob eine kurzzeitige Einnahme von Aspirin die Resultate von Früherkennungs-Stuhltests verbessern könnte.

Das Früherkennungsprogramm der deutschen Krankenversicherungen beinhaltet ab einem Alter von 50 Jahren einen Test auf okkultes Blut im Stuhl. Erstattet wird jedoch nur der enzymatische, und nicht der immunologische Test, der in der Studie verwendet wurde. Ab dem 55. Lebensjahr haben Versicherte das Recht auf eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs. Hat diese Erstuntersuchung vor dem 65. Lebensjahr stattgefunden, hat der Versicherte Anspruch auf eine weitere Darmspiegelung nach zehn Jahren.

Quellen: http://www.dkfz.de
Weiterführende Informationen: Hermann Brenner, Sha Tao und Ulrike Haug: Low dose Aspirin Use and Performance of Immunochemical Fecal Occult Blood Tests. Journal of the American Medical Association, 8. Dezember 2010, Band 304, Seite 2513-2520.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – nicht ersetzen kann.